Lagebericht aus Peru

Es erreicht uns ein Brief aus Peru von Mario Holenstein:

Meine lieben Vorstandsmitglieder, Freunde und Gönner in der Schweiz

Seit geraumer Zeit möchte ich euch über Casma, uns und die aktuelle Situation berichten.
Unsere Rückreise nach Perú konnten wir zum Glück auf den letzten Flug umbuchen; landeten am 16. März…
Wer hätte damals gedacht, dass die zweiwöchige Quarantäne mit nächtlicher Ausgangssperre viermal verlängert werden würde!? Glücklicherweise wurde uns diese Tortur erspart und so konnten wir alle zwei Wochen erneut hoffen, dass das Ende kurz bevorstand. Dem war nicht so und welche fatale Folgen zehn Wochen komplette Ausgangssperre haben – ganz einfach gesagt: Katastrophe!

Das ganze Land ist stillgelegt worden, ausser alles im Bereich Nahrungsmittel, Farmazie, Gesundheitswesen und Banken… bis jetzt! Ab 18 – 04 Uhr ist Ausgehverbot, sonntags ebenfalls der ganze Tag. Pro Familie darf eines die Einkäufe erledigen, zu Fuss, im nächsten Umfeld. Zwischendurch gab es auch absurde zusätzliche Einschränkungen, wie z.B. dass während zwei Wochen die Männer und Frauen tageweise einkaufen konnten, oder Gründonnerstag/Karfreitag, wo ebenfalls absolutes Ausgangsverbot herrschte- mit der Folge, dass es vor- und nachher zu massiven Mehransammlungen kam…Nun, Ostern, Muttertag, das alles ging still und unbemerkt vorbei…

Viel  Sinnloses mehr wurde verhängt. So dürfen u.a. über 60 Jährige nicht mehr einkaufen gehen, Ü60 + BMI 30+ nicht mehr arbeiten gehen. Maskenpflicht haben wir schon lange. Handschuhpflicht für Besuch von Banken und Lebensmittelgeschäfte ist zum Glück wieder aufgehoben worden…So gibt es noch diverses, mehr als fragwürdiges!!!

Die Zahl der Infizierten und Verstorbenen steigt und steigt…Mittlerweile sind es über 60´000 zu 1900. Das Schlimmste ist, dass das vorher schon sehr fragile und korrupte Gesundheitssystem vollkommen kollabiert ist.

Die Lage ist mehr als kritisch, sie ist verheerend. Pläne zur Lockerung und Inbetriebsnahme der verschiedenen Wirtschaftszweige sind noch vage und auf viele Monate aus vorgesehen, aber noch nichts Konkretes. Und das hier, wo der Grossteil der Menschen von der Hand in den Mund leben, informell, kaum Wasser zum Händewaschen haben, geschweige denn die Mittel zum Kauf von Masken… es geht ums Überleben!!! Ein Anstieg der Kriminalität ist daher vorprogrammiert.

Die Unterstützung vom Staat ist minim und erfasst längst nicht alle. “Grosszügigerweise” hat er einen Teil der Pensionsgelder freigegeben…!
Und die Kinder, die Jugendlichen, die Ältern, Alleinstehenden…so lange eingesperrt sein…Die Depression hat sich breitgemacht!

Der Schulbetrieb ist seit einem Monat aktiviert worden, virtuell, natürlich mehr schlecht als recht. Anscheindend wird es so bis Ende des Schuljahres weitergehen. Und auch hier- Lima ist eine Sache, aber in den Provinzen, ob Urwald oder Hochland, da wo weder Internet noch die entsprechenden Hilfsmittel zur Verfügung stehen?

Eben, all die Vorschriften gelten natürlich für das ganze Land und somit auch für Casma.

Glücklicherweise sind unsere Familien und Angehörigen alle gesund und munter und sollten bei strenger Einhaltung der Empfehlungen auch vom Virus verschont bleiben.

Alle; Gloria, Carmen, Lidia, Giovanna, Verónica und Kinder/Jugendliche sind bei guter Gesundheit. Zu Quarantänebeginn weilten Eber, Violeta und Maria auf ihrem monatlichen Urlaub und sind dies nach wie vor. Alle drei sind glücklicherweise ebenfalls gesund..

Eber, Falschmeldung betreffend Covid19 Erkrankung. Hatte eine Mageninfektion und wurde mit Antibiotika behandelt. Sobald es eine Möglickkeit gibt, reist er nach Casma und absolviert dort die obligatore zweiwöchige Hausquarantäne auf dem Fundo.

95% der Mangoplanzen gedeihen gut. Sie brauchen einen erneuten Schnitt. Daher ist Eber’s Anwesenheit sehr wichtig. Die Bewässerung läuft optimal. In den kommenden zwei Wochen werden sie kein Wasser erhalten. Gemäss Spezialist von Pachamama muss künstlich eine Stresssituation erreicht werden. Alles bewegt sich im Grünen Bereich.

Violeta: Gemäss neuer Gesetzgebung darf Violeta während der Quarantäne Zeit nicht arbeiten. Habe sie im Hilfprogramm “Suspención Perfecta” eingschrieben. Von Seitens des Staates sollte sie S/. 760.00 erhalten und wird in dieser Zeitspanne vom Staat Sozialversichert. Habe ihr versprochen, dass wir die Differenzzahlung machen werden.

Maria: Wartet zu Hause auf eine Möglichkeit nach Casma zu reisen.

Giovanna: Laut Glorias Aussage ist sie gestern per Lastwagen “Schwarzmitfahrende” nach Trujillo gereist.

Allen unseren Kindern und Jugendlichen geht es der Situation entsprechend gut. Tagsüber sind sie mit Hausaufgaben und Online Schulstunden beschäftigt. Sind mit manuellen Arbeiten beschäftigt und haben Zeit zum Fernsehen und Spielen.
Allen werden diese Wochen in tiefster Erinnerung verankert bleiben.

Vielen Dank euch allen für eure herzensliebe Unterstützung unserer Casmafamilie und liebe Grüsse

Mario Holenstein