Portrait Madrinas* und peruanische Leitungspersonen

*Madrinas ist die spanische Bezeichnung für die Hausmütter, welche die Hausgemeinschaften leiten und die erste Bezugspersonen für die Kinder sind.

 

 

 

Gloria

Gloria, Direktorin

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Ich begann meine Arbeit hier im Jahre 1991. Ich arbeite also seit mehr als 26 Jahren für Fraternitas.

Was war dein bestes Erlebnis hier? Bei Fraternitas kann ich meine berufliche Erfahrung vervollständigen. Ich habe viele Jahre im Strafvollzug gearbeitet und dort die Problematik der betroffenen Familienleben erfahren. Ich lernte im Gefängnis die Kinder der straffällig gewordenen Eltern kennen. Dank Fraternitas wurde vielen Kindern das harte Leben ihrer Eltern erspart.* Die Erfahrung zeigt mir, wie wichtig es ist, den Eltern ein gewisses Verständnis für ihre Situation entgegenzubringen, auch wenn dies oft schwierig ist. Sie haben in ihrer Kindheit nicht die gleichen Werte erhalten wie diese, die wir unseren Kindern mitgeben möchten.

*In Peru leben Kinder von straffällig gewordenen Müttern mit diesen im Gefängnis, falls die Familie keine andere Lösung für die Kinder hat.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Ich denke, die lange Zeit, die ich hier bei Fraternitas verbracht habe, erlaubt es mir, enge Beziehungen zu den Kindern zu pflegen. Auch wenn sie aus der Institution austreten, werde ich immer für sie da sein.

 

Carmen

Carmen, Sozialarbeiterin

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Seit 5 Jahren arbeite ich hier in der Institution. Ich hatte das Glück, in zwei verschiedenen Bereichen tätig zu sein. Als Madrina arbeitete ich direkt mit den Kindern und Jugendlichen. Wir bemühten uns täglich, den Kindern positive Wertvorstellungen mitzugeben, sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und sie mit Respekt, Zuneigung und Toleranz zu behandeln. Ich betrachte die Kinder wie einen Teil von mir selbst und unterstütze sie so auf der Suche nach ihrer bestmöglichen Zukunft.Nun bin ich angestellt als Sozialarbeiterin. Das erste Jahr war nicht einfach, doch nun spüre ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Was war dein bestes Erlebnis hier? Nachdem ich 20 Jahre in einem staatlichen und in einem privaten Kinderheim tätig war, war es für mich eine der besten Erfahrungen, hier für Fraternitas zu arbeiten. Dies verdanke ich Gloria, welche mir ermöglichte, hier meine Arbeit auszuführen. Es ist ein Kinderheim, das grossen Wert auf den Schutz der Kinder legt. Es ist ein Heim, wie viele in unserem Land, doch sind wir sehr darum bemüht, dass sich jedes Kind hier Zuhause, geschützt und wie in einer Familie fühlt. Es ist eine wunderschöne Erfahrung, zu dieser Familie dazuzugehören und zu spüren, dass jeder Erfolg der Kinder auch unser Erfolg ist. Jedes Lächeln ist eine Befriedigung.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Meine Motivation ist, mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen den Kindern zu helfen. Ich versuche sie zu unterstützen, sich von ihrer traurigen Vergangenheit abzulösen und von den Möglichkeiten hier zu profitieren. Eine bessere Zukunft unter dem Motto „Geben und Nehmen“.

 

Aurea

Aurea

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Ich arbeite seit 15 Jahren hier. In dieser Zeit wurde mir klar, dass diese Arbeit nicht nur darin besteht, den Kindern Nahrung und Kleidung zur Verfügung zu stellen, sondern sie in jeder Beziehung zu fördern.

Was war dein bestes Erlebnis hier? Mein schönstes Erlebnis war der Muttertag. Die Kinder haben mir alle liebevolle Karten geschrieben, in denen sie mir sagten, wie viel ich ihnen bedeute und dass sie mich wie eine Mama sehen. Ich spürte so, dass ich etwas erreicht habe und dass ich auch heute noch wichtig bin für sie.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Ich möchte die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen, sei es emotional aber auch spirituell und ihnen bei Entscheidungen helfen. Dies ist nicht immer ganz einfach, da es oft Überraschungen gibt.Violetta

 

Giovanna

Giovanna

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Ich begann bei Fraternitas zu arbeiten als ich sehr jung war und verbrachte vier Jahre in Casma. Nach zehn Jahren kehrte ich zurück und bin nun seit sechs Jahren wieder ein Teil dieser aussergewöhnlichen Institution.

Was war dein bestes Erlebnis hier? Die besten Erlebnisse liegen im Alltag mit den Kindern. Wenn ich ihre Freuden, ihre Leiden und ihre Erfolge teilen kann. Ich arbeite momentan mit den Kleinsten der Institution. Wie Sie sich vorstellen können, teilen wir viele lustige Momente, Momente des Spiels und Spass aber natürlich auch des Lernens. Die Kinder lernen zu lesen und zu schreiben, Silbe für Silbe buchstabierend und plötzlich kann man ihre glücklichen Gesichter sehen, wenn es ihnen gelingt, ein Wort zu lesen. Dies gibt mir ein enormes Glücksgefühl und eine Befriedigung, wenn ich etwas zum Lernprozess der Kinder beitragen kann, die uns so viel bedeuten.

 

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Meine Motivation sind die Kinder, die für mich meine Kinder sind. Ich verbringe meine ganze Zeit mit ihnen, versuche alles, um ihnen den richtigen Weg zu zeigen, sodass sie zu guten Personen heranwachsen. So sollen sie Positives zur Gesellschaft und ihrer Familie beitragen.

 

Lidia

Lidia

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Seit 12 Jahren.

Was war dein bestes Erlebnis hier? Ich hatte bis jetzt viele positive Erlebnisse. Als ich neu hier begonnen habe, hatte ich 7 Kinder, von welchen eines schulisch schwach war. Eine Arbeitskollegin riet mir, dem Ganzen nicht viel Beachtung zu schenken, da dieses Kind sowieso das Jahr wiederholen würde. Trotz dieses Ratschlages habe ich mich angestrengt und mit ihm gearbeitet. Wir erzielten schlussendlich Erfolge. Die Lehrerin gratulierte uns für unsere Anstrengung, denn es war nicht einfach. Wir verbrachten viele Stunden mit Lernen, aber wir erreichten schlussendlich unser Ziel.

Ein sehr besonderes Erlebnis war für mich die Freude, die ich fühlte, als ein Baby mit nur einem Monat zu uns kam. Ich habe es sofort ins Herz geschlossen und schenkte ihm meine ganze Zeit, denn es war ja so wehrlos. Die Monate, die wir zusammen verbrachten, werde ich nie vergessen. Mit einem Jahr wurde das Baby adoptiert. In diesem Moment hatte ich gemischte Gefühle. Ich war sehr traurig, da wir voneinander getrennt wurden. Doch freute ich mich auch für das Kind, da es von nun an eine Familie haben würde. Es kam der Tag, an dem sie das Baby abholten. Es wurden schwarze Tage für mich, aber die Zeit half mir ein wenig über die Trauer hinweg. Für mich war dies ein unvergessliches Erlebnis, welches ich nun mit euch teile.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Das Zusammenleben mit den Kindern, als wären sie unsere Kinder. Ich möchte ihnen viel Liebe und Zuneigung schenken, ihnen Wertschätzung beibringen. Natürlich werden auch ihre Fehler korrigiert, die auch wir Erwachsenen machen, aber dafür sind wir da, um darüber zu sprechen und den Kindern einen guten Weg aufzuzeigen, sodass sie zu guten Menschen heranwachsen.

 

Maria

María

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Seit 10 Jahren

Was war dein bestes Erlebnis hier? Den Fortschritt der Personen zu sehen, die ich kenne und die hier mit uns zusammen waren.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Einerseits ist es sicherlich der ökonomische Aspekt. Ich möchte meine 15jährige Tochter nach wie vor unterstützen können. Andererseits möchte ich die Kinder hier weiterhin begleiten in ihren täglichen Aufgaben. So lange Gott es mir ermöglicht, möchte ich hier weiterarbeiten. Ich gebe mein Bestes, denn durch all die Jahre haben sich die Kinder hier zu einem Teil meiner Familie entwickelt.

 

     Veronica Violetta

Verónica

 Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Seit 10 Jahren

Was war dein bestes Erlebnis hier? Ganz generell die Arbeit mit den Jugendlichen. Zu Beginn arbeitete ich lange nur mit Mädchen zusammen und darf nun erfahren wie es ist, mit den Jungs zu leben und zu arbeiten.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Die Kinder sind meine Motivation. Sie müssen vorwärts gehen, ihren Weg finden und wir, ihre Madrinas, müssen ihre Vorbilder sein und sie auf ihrem Weg begleiten.

 

 

Violetta

Violeta

Seit wie vielen Jahren arbeitest du für Fraternitas? Seit 11 Jahren.

Was war dein bestes Erlebnis hier? Das war, als ein Kind von Fraternitas seine schulischen Aufgaben nicht erledigte und somit Probleme in der Schule bekam. Ich unterstützte das Kind und begann mit ihm zu arbeiten. Ich sah vermehrt Fortschritte und es entwickelte sich zu einem guten Schüler. Das war ein grosser Erfolg für mich.

Was ist deine Motivation, um weiterhin für Fraternitas zu arbeiten? Mir gefällt es, mit meiner Arbeit etwas Gutes für meine Mitmenschen zu tun.

 

Interview von Aveline Voramwald, Praktikantin