Weihnachten und Neujahr in Casma – Ein Erfahrungsbericht von Aveline Voramwald, Praktikantin

Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, die Festtage in einer anderen Kultur, weit entfernt von meiner Familie, zu verbringen.
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Ich liess mich in der Adventszeit von den Weihnachtsvorbereitungen treiben und versuchte dabei, den Kindern und Hausmüttern (sp. Madrinas) ein paar meiner Weihnachtsvorstellungen mitzugeben. So habe ich in Zusammenarbeit mit den Kindern einen Adventskalender gebastelt und mit Freude verfolgt, wie sie gespannt die Tüten, Briefe oder Geschichten öffneten. Einige Tage vor Weihnachten haben wir verschiedene Sorten Guetzli gebacken. Zudem waren wir fleissig mit der Adventsdekoration beschäftigt, welche die Kinder zum Teil in der Schule bastelten und stolz mit nach Hause brachten. Gemeinsam stellten die Kinder die Krippe auf, welcher in Peru einen sehr hohen Stellenwert gegeben wird. Auch den Weihnachtsbaum schmücken die Kinder zusammen.

Den 24. IMG-20171230-WA0001Dezember verbrachten wir in der „kleinen Familie“. Das heisst, dass jede Hausgemein-schaft für sich feierte. Den ganzen Tag über wurde viel gekocht. Um 22:00 Uhr besuchten wir die Messe und wünschten uns anschliessend auf dem bekanntesten Platz Casmas “Feliz Navidad“. Dort trafen sich dann auch die verschiedenen Personen aus den drei Häusern. Um 24:00 Uhr legte eines der Kinder das Christuskind in die Wiege. Erst jetzt war die Krippe komplett. Anschliessend sprach jede Person seinen Dank gegenüber Jesus aus. Es wurde gesungen und anschliessend wurden die Geschenke verteilt. Die Kinder bekamen zum Beispiel Kleider, Duschsachen, Accessoires, Schuhe und ähnliches. Danach wurde das Essen serviert. Dieses Jahr krönte ein Poulet aus dem Ofen das Weihnachtsessen. Dazu wurde ein selbstgemachter Traubenwein serviert – natürlich ohne Alkohol. Zum Dessert wurde nach peruanischer Tradition ein Stück Panetone serviert und dazu eine heisse Schokolade getrunken. Beim Ausklingen des Abends blieb Zeit, um die Geschenke näher zu    betrachten. Glücklich aber sehr müde fielen die Kinder anschliessend ins Bett.

Im Gegensatz zu Weihnachten wurde Neujahr in der „grossen Familie“ gefeiert. Alle Personen der drei Häuser versammelten sich auf dem Hof. Jeder, der in seinem Schrank ein gelbes Kleidungsstück fand, trug dieses, denn das soll ihm im neuen Jahr Glück bringen. Im voraus hatten die Kinder aus jedem Haus eine lebensgrosse Puppe gebastelt, welche einer bestimmten Person gewidmet war. Dieses Jahr wurde mir die Ehre zu teil. Alle durften fürs neue Jahr einen Wunsch auf einen Zettel schreiben und diesen in die Puppe stecken. Anschliessend wurden die Puppen verbrannt, welche uns auf diesem Weg fürs Neue Jahr viel Glück bringen wird.

Um Mitternacht assen wir 12 Trauben und mit jeder Frucht durfte ein Wunsch geäussert werden. Dann wurde das Neujahrsessen serviert. Der wichtigste Bestandteil war der Truthahn, welcher wunderbar von den Madrinas zubereitet wurde. Anschliessend wurde ausgelassen getanzt. Niemand blieb sitzen und es war für mich besonders schön, die Freude der Anwesenden zu spüren und zu sehen, wie Jung und Alt zusammen tanzte. Der Tanz wurde unterbrochen, um der Traditon der Pinata gerecht zu werden. Mit einem Stab schlug ein Kind nach dem andern auf die Pappfigur ein, bis diese platzte. Die Kinder stürzten sich sofort auf all die kleinen, tollen Dinge, die aus deren Bauch auf den Boden fielen. In Windeseile sammelten sie so viele Sachen ein, wie es ihnen möglich war. Anschliessend wurde bis in die frühen Morgenstunden weitergetanzt.

Am Morgen des 1 Januars machten wir uns alle zusammen auf den Weg an den Strand. Das neue Jahr wurde eingeweiht mit viel Sonne, Spiel und Spass.

Für mich war es eine unvergessliche Erfahrung, die ich hier in Casma, umgeben von all den liebevollen Menschen, machen durfte. Feliz año nuevo!

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Aveline Voramwald